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Mit Dreirädern auf dem “Dach der Welt”

Mit Dreirädern auf dem “Dach der Welt”

Uns wurde gesagt, dass wir es niemals, mit dem Rad durch diesen Pass schaffen. Unser Führer, der Samdrup schüttelte mit dem Kopf und sagte: “Wie können denn zwei Querschnittgelähmte 117 Serpentine auf 5.200 Metern Höhe besiegen?”

Ich wettete 20 Yuans, dass wir es schaffen, machte mir aber trotzdem viele Sorgen. Die Geschichten von jungen Radfahrern, die auf halbem Weg aufgegeben haben, konnten aber unser Selbstbewusstsein nicht verringern. Etwas war garantiert: Der Pass Pang La wird die größte und die schwerste Herausforderung sein. Ich dachte lieber nicht daran, was auf uns bereits frühmorgens wartet.

The Journey beginnt…

mit Drierädern auf Tibet

In dem Visumantrag haben wir geschrieben, es handelt sich um eine Flitterwochen-Reise, dass wir Vögel beobachten und uns die Große Mauer ansehen wollen. In Tatsache war alles ganz anders, vor uns war eine ungefähr 1.100 Kilometer lange Fahrt, von Lhase im Tibet, über Mount Everest nach Kathmandu im Nepal. Nepal zu sehen, war nämlich der große Wunsch von Carolin, meiner war (wie sich für einen ehemaligen Alpinist gehört), den Mont Everest zu erleben.

Schon lange her habe ich meinen „richtigen“ Job verlassen, nur aus einem Grund: Die Gipfel von Himalaja, Patagonien und Baffinininsel zu erobern. Leider wurde mein Leben im Jahr 1998 beim Klettern in Tasmanien tragisch verändert. Mein Kopf wurde von einem Stein verletzt, ich habe viel Blut verloren und die Rettung dauerte den ganzen Tag lang und war auch ziemlich kompliziert. Halbseitengelähmt habe ich ein Jahr im Krankenhaus verbracht, wo ich nochmal das Gehen und Sprechen lernen musste.

Paul Pritchard

Unsere Reiseerlebnisse

Unsere zwei Dreiräder erregten so viel Aufmerksamkeit, dass wir sogar einmal für den Verkehrsstau verantwortlich waren, weil die Touristen in einer Reihe gewartet haben um sich mit uns zu fotografieren. Wir haben auch einen Bus voller Mönche getroffen, sie haben uns mit Begeisterung und Jubel ermutigt und wir fühlten uns wie zwei echte „Rockstars“.

Am Ende der Bramaputra-Schlucht wurde ich von einem Tibetmastiff angegriffen. Ich versuchte Tempo vorzulegen, aber auf 4.000 Meter Höhe, war ich schnell außer Atem. Der Hund hat mich selbstverständlich eingeholt und alles was ich in dem Moment tun konnte, war ihm meine spastische Hand hinzustecken. (Für ihn war das wahrscheinlich ähnlich, wie ob ihm jemand ein Gummi-Hähnchen anbieten würde). Kurz bevor seine Zähne meine Hand verletzt hätten, hat Sharyn den Hund vertrieben.

the Journey

An dem Tag, wenn wir angeblich als „glückliches Ehepaar“ Golf spielen sollten, haben wir uns lieber mit der Besteigung des Gyatso La gefoltert. 5.220 Meter war der höchste Pass auf unserem Weg, der zwei Tage gedauert hat. Am zweiten Tag war es wolkig und extrem kalt. Ich erinnere mich, ich versuchte unsere Team-Therapeutin Mel einzuholen und meine Lungen waren auf einmal am brennen. Auch Carolin hatte viele Probleme mit dem Aufstieg. Sie musste nach jedem Kilometer Halt machen, um ihre betäubten Beine zu massieren.

In ihrer Jugendzeit war Carol eine begeisterte Abenteuerin, aber im Alter von 20 wurde ihre Bewegung wegen Arthrose beschränkt. Sie hat nicht aufgegeben und hat mit dem Rudern angefangen. Sie wurde schon 6-Mal australische Staatsmeisterin im Rudern im wilden Wasser. Dieses Mal siegte sie, in einem Liegedreirad, über die Pässe des westlichen Tibet. Langsam, aber willensstark sind wir Richtung-Gipfel vorwärts gefahren.

Everest haben wir schon eine Woche davor gesehen, bevor wir tatsächlich ans Ziel angekommen sind. Aber zuerst, warteten 46 Serpentinen vom Pass Pang La oder „Pain La“ auf uns. Diejenigen von Samdrup die vorhin erwähnten 117 Serpentinen kommen in unserem Fall, erst bei der Abfahrt dran.

Das heiße Wasser vom Morgen wurde schon längst eingefroren und in der Nähe vom Gipfel waren wir von ersten Schneeflocken begleitet.

Das Äußerste war hinter uns und wir waren dem Lager immer näher, aber das Radfahren war deswegen überhaupt nicht leichter. Die ganze Zeit sind wir auf einer Schotterstraße gefahren und die schwere Luft, machte alles nur noch härter. Aber mir stand im Vordergrund nur eine einzige Sache: Mein größter Wunsch wird in Erfüllung gehen und ich kann wieder diesen herrlichen Berg sehen. Dreizehn Jahre, seit meinem Unglück, musste ich jeden Tag noch einmal Sprechen und Gehen lernen. Vom ersten Versuch wieder zu klettern, bis zum ersten Kilometer mit dem Rad, alles aus einem einzigen Grund: Um Mount Everest wieder erleben zu dürfen…

Als ich mit der Rehabilitation angefangen habe, dachte ich niemals, dass mir das Leben eine zweite Chance wieder zu reisen geben wird und vor allem nicht, das gesteckte Ziel zu erreichen. Meine Erwartungen waren richtig: Der Weg war lang und anstrengend.

Kathmandu

Was mich bei der Rückfahrt am meisten gefreut hat, war wieder den Asphalt zu sehen. Ich konnte mich nicht zurückhalten, ich fiel auf die Knie und musste einfach die glatte Straße küssen. In weniger als 30 Tagen haben wir den 1.158-Kilometer-Abstand durch den Himalaja besiegt. Ich kann nur eine Sache feststellen:

Das Leben ist ein außergewöhnliches Geschenk, das man allerdings hochschätzen soll…

Es waren gewiss keine Flitterwochen, aber die Erinnerungen auf “The Journey” werden sicher einen unersetzlichen Platz in ihren Herzen haben. Für mehr Info besuchen sie auch Paul Prichards Blog.

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